Sobald die Temperaturen unter null Grad fallen, beschäftigt Wärmepumpen-Besitzer eine zentrale Frage: Wie stark steigt der Stromverbrauch bei Frost? Die Bedenken sind nachvollziehbar – schließlich arbeitet die Anlage genau dann am härtesten, wenn die Heizung am dringendsten gebraucht wird. Doch ein nüchterner Blick auf reale Messdaten zeigt: Auch bei Minusgraden bleibt die Wärmepumpe wirtschaftlich überlegen. In diesem Beitrag analysieren wir den Tagesverbrauch bei verschiedenen Temperaturstufen, ordnen die monatlichen Kostenblöcke ein und erklären, warum extreme Kältetage kaum ins Gewicht fallen.
Überblick: Verbrauch und Kosten im Winterhalbjahr
- 0 °C Außentemperatur: 20–32 kWh Tagesverbrauch für ein 150-m²-Einfamilienhaus
- –5 °C Außentemperatur: 35–55 kWh Tagesverbrauch
- –10 °C und darunter: 50–75 kWh Tagesverbrauch – solche Tage sind in Deutschland selten
- Heizstabanteil am Jahresverbrauch: nur 1–2 % laut Fraunhofer ISE
- Typische Winterstromkosten (November bis März): 850–1.250 € bei 27 Ct/kWh
- Im Vergleich: Eine Ölheizung kostet für denselben Zeitraum 1.300–1.600 € inklusive CO₂-Abgabe
Physik des Winterbetriebs: Warum der Verbrauch steigt
Zwei Faktoren treiben den Strombedarf bei sinkenden Temperaturen nach oben. Erstens: Der Wärmeverlust des Gebäudes steigt proportional zur Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außenluft. Bei –5 °C ist die Differenz zur Raumtemperatur von 21 °C doppelt so groß wie bei +8 °C – entsprechend muss doppelt so viel Heizenergie nachgeliefert werden.
Zweitens: Die Effizienz der Wärmepumpe nimmt ab. Der COP sinkt, weil der Kompressor gegen einen größeren Temperaturhub arbeiten muss. Bei +7 °C erreicht ein aktuelles Gerät einen COP von 4,5 – aus einer Kilowattstunde Strom entstehen 4,5 kWh Wärme. Bei –7 °C liegt der COP nur noch bei 2,5 bis 3,0. Beide Effekte zusammen erklären, weshalb der Tagesverbrauch bei strengem Frost auf das Drei- bis Vierfache eines milden Herbsttages ansteigen kann.
Tagesverbrauch nach Temperaturstufe
Die folgenden Werte basieren auf Auswertungen des Fraunhofer ISE und praktischen Feldmessungen an Einfamilienhäusern mit 130 bis 170 m² Wohnfläche, teilsaniert (Baujahr 1975–2005), ausgestattet mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Die konkreten Zahlen variieren je nach Gebäudehülle, Vorlauftemperatur und Geräteeffizienz.
| Außentemperatur | Tagesverbrauch Strom | Tageskosten (27 Ct/kWh) | COP-Bereich | Einordnung |
|---|---|---|---|---|
| +10 °C | 8–14 kWh | 2–4 € | 4,5–5,5 | Milder Herbst – geringe Heizlast |
| +5 °C | 14–22 kWh | 4–6 € | 3,8–4,8 | Übergangszeit |
| 0 °C | 20–32 kWh | 5–9 € | 3,2–4,0 | Leichter Frost – Normalbetrieb |
| –5 °C | 35–55 kWh | 9–15 € | 2,8–3,5 | Kalter Wintertag |
| –10 °C | 50–75 kWh | 14–20 € | 2,3–3,0 | Strenger Frost – selten |
| –15 °C | 70–95 kWh | 19–26 € | 2,0–2,6 | Extreme Kälte – vereinzelt |
Orientierungswert: Pro 5 °C Temperaturabfall steigt der Tagesverbrauch um rund 40–60 %. Allerdings treten Temperaturen unter –10 °C in den meisten deutschen Regionen an weniger als fünf Tagen pro Jahr auf.
Monatsverteilung: Wo das Geld tatsächlich hinfließt
Ein verbreiteter Denkfehler: Viele Hausbesitzer konzentrieren sich auf die extremen Frosttage und überschätzen deren Anteil an der Gesamtrechnung. In Wirklichkeit entfallen die höchsten Monatskosten auf den Dezember und Januar – nicht wegen einzelner Extremtage, sondern wegen der Summe vieler mäßig kalter Tage.
Modellrechnung für ein Einfamilienhaus (150 m², 20.000 kWh Jahreswärmebedarf, Luft-Wasser-Wärmepumpe mit JAZ 3,8): Im Oktober fallen etwa 180 kWh Strom an (49 €), im November 400 kWh (108 €), im Dezember 700 kWh (189 €), im Januar 800 kWh (216 €), im Februar 650 kWh (176 €), im März 370 kWh (100 €) und im April 150 kWh (41 €). Im Sommer verbraucht die Anlage nur 80–120 kWh pro Monat für die Warmwasserbereitung.
Zusammengefasst: Die Heizperiode von Oktober bis April verursacht rund 3.250 kWh Stromverbrauch (878 €). Die Sommermonate Mai bis September kommen auf etwa 500 kWh (135 €). Das ergibt Jahresgesamtkosten von rund 1.013 € – deutlich unter den Betriebskosten einer Gasheizung (ca. 2.600 €) oder Ölheizung (ca. 2.800 € inkl. CO₂-Abgabe).
Heizstab-Einsatz: Fakten statt Mythen
Der elektrische Heizstab ist das meistdiskutierte Bauteil der Wärmepumpe. Er arbeitet mit einem Wirkungsgrad von 1:1 – also ohne den Effizienzgewinn der Wärmepumpe. Das weckt Befürchtungen, er könnte die Stromrechnung in die Höhe treiben.
Die Messdaten des Fraunhofer ISE an über 200 Anlagen im Realbetrieb zeichnen jedoch ein anderes Bild: Der Heizstab trägt im Jahresdurchschnitt nur 1–2 % zum Gesamtstromverbrauch bei. Bei einem Jahresverbrauch von 5.000 kWh sind das lediglich 50–100 kWh – Kosten von 14–27 €.
Der Heizstab springt in zwei klar definierten Situationen ein: bei Außentemperaturen unter –10 bis –15 °C (je nach Gerätemodell), wenn der Kompressor allein die Vorlauftemperatur nicht mehr erreicht, und bei der periodischen Legionellenschaltung, die das Trinkwasser zur Desinfektion kurzzeitig auf über 60 °C erhitzt.
“Im Realbetrieb liegt der Heizstabanteil bei durchschnittlich 1,4 % des Jahresstromverbrauchs. Moderne Inverter-Wärmepumpen kommen bis –15 °C ohne Heizstab-Zuschaltung aus.”
— Fraunhofer ISE, Feldmessung 2023/24
Kostenvergleich: Frosttag mit Wärmepumpe versus Ölheizung
Selbst an einem kalten Tag mit –7 °C bleibt die Wärmepumpe wirtschaftlich. Beispielrechnung für 120 kWh Heizwärmebedarf an einem solchen Tag:
| Heizsystem | Energiebedarf | Kosten pro Tag | CO₂-Abgabe | Tageskosten gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Wärmepumpe (COP 2,8) | 43 kWh Strom | 11,61 € | entfällt | 11,61 € |
| Gasheizung (η 0,92) | 130 kWh Gas | 15,60 € | 2,60 € | 18,20 € |
| Ölheizung (η 0,88) | 13,6 L Heizöl | 16,32 € | 2,40 € | 18,72 € |
Auch bei reduziertem COP von 2,8 spart die Wärmepumpe an einem Frosttag rund 6–7 € gegenüber einer fossilen Heizung. Über einen Winter mit 30 Frosttagen (unter 0 °C) ergibt das allein an diesen Tagen eine Ersparnis von 180–210 €.
Abtauung: Der unsichtbare Energieverbraucher
Bei Temperaturen zwischen –3 und +5 °C bei hoher Luftfeuchtigkeit kann der Verdampfer vereisen. Die Luft enthält in diesem Temperaturbereich besonders viel Feuchtigkeit, die auf den kalten Lamellen kondensiert und gefriert. Ohne Gegenmaßnahme würde die Eisschicht den Luftstrom blockieren.
Alle Luft-Wärmepumpen verfügen deshalb über eine automatische Abtaufunktion. Bei der gängigsten Methode wird der Kältekreislauf kurzzeitig umgekehrt: Heißes Kältemittel durchströmt den Verdampfer und schmilzt das Eis innerhalb von zwei bis fünf Minuten. Der Energieaufwand für die Abtauung beträgt je nach Häufigkeit 5–10 % des Winterverbrauchs und ist in den angegebenen JAZ-Werten bereits berücksichtigt.
Vier Maßnahmen für niedrigere Winterstromkosten
- Vorlauftemperatur nicht pauschal erhöhen: Statt bei Frost die Heizkurve manuell hochzudrehen, vertrauen Sie der automatischen Regelung. Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur senkt den Verbrauch um 2–4 %.
- Nachtabsenkung auf 2 °C begrenzen: Stärkere Absenkungen erzwingen morgens hohe Kompressorleistung bei hoher Vorlauftemperatur – der Effizienzeinbruch überwiegt die nächtliche Einsparung.
- Außengerät freihalten: Schnee, Laub oder zugewucherte Hecken behindern den Luftstrom und verschlechtern die Effizienz. Halten Sie 50 cm Freiraum rund um das Gerät ein.
- Wärmepumpenstromtarif nutzen: Separate Tarife liegen 10–15 % unter dem Haushaltstarif. Bei 3.500 kWh Winterverbrauch spart das 95–140 € pro Heizsaison.
Fazit: Kalte Tage, beherrschbare Kosten
Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe steigt im Winter – das ist physikalisch unvermeidbar und kein Grund zur Beunruhigung. An einem typischen Wintertag bei 0 °C fallen Stromkosten von 5–9 € an, an einem strengen Frosttag bei –10 °C von 14–20 €. Über die gesamte Heizperiode summiert sich das auf 850–1.250 € – rund 40 % weniger als eine vergleichbare Gas- oder Ölheizung.
Die wenigen extremen Kältetage machen weniger als 5 % der jährlichen Heizkosten aus. Der Heizstab ist kein heimlicher Stromfresser, sondern ein Sicherheitsnetz für seltene Extremsituationen. Wer die Vorlauftemperatur niedrig hält und einen Wärmepumpentarif nutzt, optimiert die Winterkosten zusätzlich.

Geschrieben von
Stefan RiedelmannEnergieberater & Wärmepumpen-Experte • über 15 Jahre Erfahrung
Zertifizierter Energieberater mit über 15 Jahren Erfahrung in der Wärmepumpen-Branche. Spezialist für Bestandsgebäude und Fördermitteloptimierung.

