Betriebskosten einer Wärmepumpe: Stromverbrauch im Überblick
Kosten & Betrieb8 min

Betriebskosten einer Wärmepumpe: Stromverbrauch im Überblick

Was kostet der Betrieb einer Wärmepumpe tatsächlich? Reale Verbrauchsdaten, Kostenvergleich mit Gas und Öl sowie bewährte Strategien zur Verbrauchsoptimierung.

Stefan Riedelmann
Stefan Riedelmann
22. Januar 2026

Der Stromverbrauch ist das Thema, das Interessenten am meisten beschäftigt – und gleichzeitig das am häufigsten missverstandene. Entscheidend ist nicht die absolute Menge an verbrauchtem Strom, sondern das Verhältnis zur erzeugten Wärme. Da die Wärmepumpe aus jeder Kilowattstunde Strom drei bis fünf Kilowattstunden Heizwärme generiert, liegen die Betriebskosten trotz Stromverbrauch deutlich unter denen fossiler Heizungen. Dieser Artikel liefert Ihnen belastbare Zahlen, nachvollziehbare Berechnungen und erprobte Optimierungsstrategien.

Kernaussagen vorab

  • Ein 150-m²-Einfamilienhaus verbraucht typischerweise 4.000–6.000 kWh Strom pro Jahr
  • Bei einem Wärmepumpentarif von 27 Ct/kWh entspricht das Kosten von 1.100–1.800 € jährlich
  • Gegenüber Gas- oder Ölheizungen bedeutet das eine Ersparnis von 40–50%
  • Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist der wichtigste Einflussfaktor: höhere JAZ = niedrigerer Verbrauch
  • Mit Photovoltaik und speziellem Stromtarif lassen sich die Kosten zusätzlich senken

Die Verbrauchsformel: So rechnen Sie selbst

Die Berechnung des Wärmepumpen-Stromverbrauchs folgt einer einfachen Formel: Jahres-Wärmebedarf geteilt durch die Jahresarbeitszahl ergibt den Stromverbrauch. Benötigt Ihr Haus beispielsweise 20.000 kWh Wärme und arbeitet die Anlage mit einer JAZ von 4,0, beträgt der Stromverbrauch 20.000 ÷ 4 = 5.000 kWh pro Jahr.

Falls Ihnen Ihr Wärmebedarf nicht bekannt ist: Bei Erdgas entsprechen rund 10 kWh einem Kubikmeter, bei Heizöl liefert ein Liter ebenfalls etwa 10 kWh. Ein bisheriger Verbrauch von 2.000 Litern Heizöl deutet also auf einen Wärmebedarf von circa 20.000 kWh hin.

Verbrauchswerte nach Gebäudetyp

Der tatsächliche Stromverbrauch variiert erheblich mit dem energetischen Zustand des Gebäudes. Ein moderner Neubau benötigt nur einen Bruchteil der Energie eines unsanierten Altbaus. Die nachstehende Übersicht zeigt realistische Bandbreiten.

GebäudetypWärmebedarf/JahrStrom bei JAZ 3,5Strom bei JAZ 4,5Kosten (27 Ct/kWh)
Neubau 120 m² (KfW 55)9.000 kWh2.570 kWh2.000 kWh540–695 €
Neubau 150 m²12.000 kWh3.430 kWh2.670 kWh720–925 €
Sanierter Altbau 150 m²18.000 kWh5.140 kWh4.000 kWh1.080–1.390 €
Teilsanierter Altbau 150 m²22.000 kWh6.290 kWh4.890 kWh1.320–1.700 €
Unsanierter Altbau 150 m²28.000 kWh8.000 kWh6.220 kWh1.680–2.160 €

Die Bandbreite macht deutlich: Der energetische Gebäudezustand hat massiven Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit. Ein gut gedämmter Neubau kommt mit 2.000 kWh Strom aus, ein unsanierter Altbau benötigt das Vierfache.

Betriebskosten im Vergleich: Wärmepumpe, Gas, Öl

Trotz des Stromverbrauchs: Sind die Heizkosten mit Wärmepumpe tatsächlich niedriger als mit Gas oder Öl? Die Antwort fällt eindeutig aus – und der Abstand vergrößert sich durch steigende CO₂-Preise Jahr für Jahr.

Die folgende Modellrechnung basiert auf einem Einfamilienhaus mit 150 m² und 20.000 kWh Wärmebedarf. Angesetzte Energiepreise 2026: Wärmepumpenstrom 27 Ct/kWh, Erdgas 13 Ct/kWh (inkl. Grundgebühr), Heizöl 1,20 €/Liter. CO₂-Preis: 55–65 €/Tonne.

HeizsystemEnergieverbrauchEnergiekostenCO₂-AbgabeWartungJahreskosten
Wärmepumpe (JAZ 4,0)5.000 kWh Strom1.350 €200 €1.550 €
Wärmepumpe (JAZ 3,5)5.715 kWh Strom1.540 €200 €1.740 €
Gasheizung (Brennwert)20.000 kWh Gas2.400 €310 €200 €2.910 €
Ölheizung2.000 Liter2.400 €414 €250 €3.064 €

Die jährliche Differenz beträgt je nach Ausgangssystem 1.000–1.500 €. Über die typische Nutzungsdauer einer Wärmepumpe von 20 Jahren summiert sich dies auf 20.000–30.000 € – ein Betrag, der die Investition nach Förderung deutlich übersteigt.

Warum fossile Brennstoffe immer teurer werden

Der nationale CO₂-Preis liegt 2025 bei 55 €/Tonne und steigt 2026 auf einen Korridor von 55–65 €/Tonne. Pro Liter Heizöl bedeutet das rund 17 Cent Aufschlag, pro Kilowattstunde Gas etwa 1,5 Cent – mit weiter steigender Tendenz. Die Wärmepumpe ist von der CO₂-Bepreisung vollständig ausgenommen.

Hinzu kommt die Volatilität fossiler Energiepreise. Die Gaspreiskrise 2022 hat demonstriert, wie schnell sich die Heizkosten verdoppeln können. Strom hingegen entwickelt sich preislich stabiler und wird durch den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien langfristig günstiger.

Fünf Strategien zur Verbrauchsoptimierung

Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe ist kein Fixwert – mit gezielten Maßnahmen lässt er sich spürbar reduzieren.

1. Vorlauftemperatur minimieren

Die Vorlauftemperatur ist der wirksamste Hebel. Jedes Grad weniger steigert die Effizienz um 2–4%. Wer die Vorlauftemperatur von 55 auf 45 °C senken kann (Reduktion um 10 K), spart 20–40% Strom. Justieren Sie die Heizkurve schrittweise nach unten, bis die Raumtemperatur gerade noch komfortabel ist.

2. Hydraulischer Abgleich durchführen

Ein korrekt abgeglichenes System verteilt die Wärme gleichmäßig auf alle Räume. Ohne Abgleich werden einzelne Bereiche überheizt, während andere zu kühl bleiben – und die Vorlauftemperatur wird kompensatorisch erhöht. Die Investition von 650–1.000 € amortisiert sich durch die Effizienzsteigerung rasch.

3. Nachtabsenkung maßvoll einsetzen

Bei Wärmepumpen empfiehlt sich eine moderate Nachtabsenkung von maximal 2–3 °C. Ein stärkeres Absenken wäre kontraproduktiv: Das morgendliche Aufheizen erfordert hohe Leistung bei hoher Vorlauftemperatur – beides senkt die Effizienz. Gleichmäßiger Betrieb mit leicht reduzierter Nachttemperatur ist die optimale Strategie.

4. Photovoltaik-Anlage ergänzen

Eine PV-Anlage erzeugt Strom zu Gestehungskosten von 8–10 Ct/kWh. Jede Kilowattstunde Solarstrom, die direkt in die Wärmepumpe fließt, spart 17–19 Ct gegenüber dem Netzbezug. Besonders sinnvoll: Die Wärmepumpe nutzt überschüssigen PV-Strom zum Beladen des Pufferspeichers – das Haus wird zum thermischen Energiespeicher.

5. Spezialtarif für Wärmepumpen nutzen

Zahlreiche Energieversorger bieten separate Wärmepumpentarife an, die 10–15% unter dem regulären Haushaltstarif liegen. Voraussetzung ist meist ein eigener Stromzähler für die Wärmepumpe. Die einmaligen Kosten von 100–200 € für den Zähler rechnen sich innerhalb weniger Monate.

MaßnahmeEinsparpotenzialAufwand
Vorlauftemperatur optimieren10–30%Kostenlos – Reglereinstellung
Hydraulischer Abgleich5–15%650–1.000 €, einmalig
Wärmepumpentarif10–15%Separater Zähler erforderlich
PV-Eigenverbrauch20–40%PV-Anlage als Investition
Intelligente Steuerung5–10%Meist in der Regelung integriert

Verbrauch im Jahresverlauf

Der Stromverbrauch folgt dem Heizbedarf und schwankt daher stark mit den Jahreszeiten. Im Winter steigt er auf das Sechs- bis Zehnfache der Sommermonate, in denen die Anlage nur für die Warmwasserbereitung arbeitet.

Typische Monatsverteilung bei 5.000 kWh Jahresverbrauch: Januar und Februar je 800–1.000 kWh, März und November je 500–600 kWh, April und Oktober je 300–400 kWh, Mai bis September je 100–150 kWh (nur Warmwasser), Dezember 700–900 kWh.

Für die Kombination mit Photovoltaik bedeutet das: Im Sommer, wenn die PV-Anlage am meisten liefert, braucht die Wärmepumpe am wenigsten. Im Winter verhält es sich umgekehrt. Trotzdem lohnt sich die Kopplung, da die Übergangszeiten (Frühjahr und Herbst) gut abgedeckt werden und der PV-Strom die Sommerbetriebskosten nahezu auf Null senkt.

Fazit: Wirtschaftlich heizen trotz Stromverbrauch

Ja, eine Wärmepumpe verbraucht Strom. Doch sie macht daraus das Drei- bis Fünffache an Wärme – und genau das macht sie wirtschaftlich überlegen. Mit jährlichen Betriebskosten von 1.100–1.800 € liegt sie mehr als 1.000 € unter den Kosten einer vergleichbaren Gas- oder Ölheizung.

Wer zusätzlich die Vorlauftemperatur optimiert, den hydraulischen Abgleich durchführt und einen speziellen Stromtarif nutzt, kann die Kosten weiter drücken. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage sinken die Betriebskosten auf ein Niveau, das kein fossiles System erreichen kann.

Stefan Riedelmann

Geschrieben von

Stefan Riedelmann

Energieberater & Wärmepumpen-Experteüber 15 Jahre Erfahrung

Zertifizierter Energieberater mit über 15 Jahren Erfahrung in der Wärmepumpen-Branche. Spezialist für Bestandsgebäude und Fördermitteloptimierung.

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