Eine Wärmepumpe ist eine Investition für Jahrzehnte – doch wie viele Jahrzehnte genau? Die Frage nach der Lebensdauer ist zentral für jede Wirtschaftlichkeitsberechnung: Wer mit 20 Nutzungsjahren kalkuliert, erhält ein anderes Ergebnis als bei 12 Jahren. In diesem Ratgeber analysieren wir die Lebensdauer nach Anlagentyp, identifizieren die typischen Verschleißstellen, beziffern Wartungs- und Reparaturkosten und zeigen, welche Faktoren die Haltbarkeit am stärksten beeinflussen.
Die wichtigsten Kennwerte zur Lebensdauer
- Luft-Wasser-Wärmepumpe: 15–20 Jahre Gesamtlebensdauer bei regelmäßiger Wartung
- Sole-Wasser-Wärmepumpe: 20–25 Jahre, Erdsonden selbst 50–100 Jahre nutzbar
- Wasser-Wasser-Wärmepumpe: 20–25 Jahre, Förderbrunnen 20–30 Jahre
- Kompressor als lebensdauerbegrenzendes Bauteil: 15–20 Jahre bei korrekter Dimensionierung
- Jährliche Wartungskosten: 150–300 € – erheblich günstiger als bei Gas- oder Ölheizungen (300–450 €)
Lebensdauer im Vergleich der Anlagentypen
Nicht jede Wärmepumpe altert gleich schnell. Erdgekoppelte Systeme arbeiten unter konstanteren Bedingungen als Luft-Wärmepumpen und erreichen daher tendenziell höhere Standzeiten. Die folgende Übersicht differenziert nach Anlagentyp und Einzelkomponente.
| Komponente | Luft-Wasser | Sole-Wasser | Wasser-Wasser |
|---|---|---|---|
| Gesamtsystem | 15–20 Jahre | 20–25 Jahre | 20–25 Jahre |
| Kompressor | 15–20 Jahre | 18–25 Jahre | 18–25 Jahre |
| Elektronik / Steuerung | 15–20 Jahre | 15–20 Jahre | 15–20 Jahre |
| Wärmetauscher | 20–25 Jahre | 20–30 Jahre | 15–20 Jahre |
| Wärmequellenanlage | – (Luft) | 50–100 Jahre (Sonden) | 20–30 Jahre (Brunnen) |
| Ventilator | 12–18 Jahre | – (nicht vorhanden) | – (nicht vorhanden) |
Der Unterschied zwischen Luft- und Erdwärmesystemen hat physikalische Gründe: Eine Luft-Wärmepumpe bewältigt Außentemperaturen von –15 bis +35 °C – eine Schwankungsbreite von 50 K. Der Kompressor muss ständig wechselnde Druckverhältnisse bewältigen, der Verdampfer vereist und wird wieder abgetaut, das Außengerät ist Regen, UV-Strahlung und Frost ausgesetzt.
Eine Sole-Wasser-Anlage arbeitet dagegen mit einer Quelltemperatur von 8–12 °C ganzjährig nahezu konstant. Der Kompressor läuft gleichmäßiger, es gibt keine Abtauzyklen, und das gesamte System befindet sich geschützt im Gebäudeinneren. Diese stabileren Bedingungen schlagen sich in längerer Lebensdauer nieder.
Besonders bei Erdwärmepumpen gilt: Die Erdsonden überdauern die Wärmepumpe bei Weitem. Wenn nach 25 Jahren das Innengerät getauscht wird, können die bestehenden Sonden weiterverwendet werden – eine echte Generationeninvestition.
Was die Lebensdauer bestimmt
Dimensionierung: Der wichtigste Einzelfaktor
Eine überdimensionierte Wärmepumpe schaltet sich häufig ein und aus (Takten). Jeder Startvorgang belastet den Kompressor: Anlaufströme beanspruchen die Motorwicklungen, Druckstöße strapazieren Ventile und Leitungen. Bei einer Wärmepumpe mit 12 kW in einem Gebäude mit 7 kW Heizlast kann der Kompressor 10–15 Mal pro Tag takten – das sind über 4.000 Schaltzyklen pro Heizsaison.
Eine korrekt dimensionierte Anlage (auf Basis einer normierten Heizlastberechnung nach DIN EN 12831) läuft dagegen über längere Zeiträume kontinuierlich und passt ihre Leistung über den Inverter an. Weniger Schaltzyklen bedeuten weniger mechanische Belastung – und eine spürbar längere Lebensdauer.
Inverter versus On/Off-Betrieb
Inverter-Wärmepumpen modulieren ihre Kompressorleistung stufenlos zwischen 20 und 100 %. Der Motor wird sanft hochgefahren statt schlagartig eingeschaltet. Studien zeigen, dass Inverter-Kompressoren bis zu 30 % mehr Betriebsstunden erreichen als On/Off-Modelle, bevor ein Austausch nötig wird.
Alle aktuellen Geräte der Mittel- und Premiumklasse setzen auf Inverter-Technik. Sollten Sie ein Angebot mit einem On/Off-Kompressor erhalten, ist das ein Hinweis auf ein veraltetes Modell – solche Geräte sind weder effizient noch langlebig.
Vorlauftemperatur und Betriebsbedingungen
Je niedriger die geforderte Vorlauftemperatur, desto geringer die Belastung des Kompressors. Eine Anlage, die dauerhaft mit 35 °C Vorlauf arbeitet (Fußbodenheizung), schont den Kompressor spürbar gegenüber einem System mit 55 °C Vorlauf (Bestandsheizkörper). Jedes Grad weniger reduziert den Betriebsdruck und damit den mechanischen Verschleiß.
Aufstellort und Witterungsschutz
Bei Luft-Wärmepumpen altert das Außengerät durch Witterungseinflüsse: UV-Strahlung lässt Kunststoffteile spröde werden, Frost-Tau-Wechsel beanspruchen Dichtungen, salzhaltige Luft (Küstennähe) kann Korrosion beschleunigen. Ein geschützter Aufstellort (z. B. überdachte Hauswand) verlängert die Lebensdauer der äußeren Komponenten.
Wartung: Aufwand, Intervalle und Kosten
Die regelmäßige Wartung ist der zweitwichtigste Faktor nach der Dimensionierung. Im Vergleich zu einer Gas- oder Ölheizung ist der Aufwand geringer – kein Brenner, kein Schornstein, keine Verbrennungsrückstände. Dennoch gibt es Komponenten, die regelmäßig geprüft werden sollten.
| Wartungsposition | Intervall | Durchführung | Kosten |
|---|---|---|---|
| Luftfilter reinigen / tauschen (Luft-WP) | Alle 6 Monate | Eigenleistung möglich | 0–50 € |
| Verdampfer-Lamellen reinigen | Jährlich | Eigenleistung oder Fachbetrieb | 0–100 € |
| Kältemittel-Dichtigkeitsprüfung | Alle 1–2 Jahre | Zertifizierter Fachbetrieb | 100–150 € |
| Komplettinspektion (Hydraulik, Elektronik, Regelung) | Jährlich | Fachbetrieb | 150–300 € |
| Software-Update | Bei Bedarf | Fachbetrieb oder Fernwartung | 0–100 € |
| Soleflüssigkeit prüfen (Sole-WP) | Alle 2–3 Jahre | Fachbetrieb | 50–100 € |
Die jährlichen Wartungskosten betragen 150–300 € – deutlich unter den 300–450 €, die bei einer Öl- oder Gasheizung für Wartung, Schornsteinfeger und Verschleißteile anfallen. Bei einer angenommenen Nutzungsdauer von 20 Jahren ergibt sich eine Gesamteinsparung von 3.000–5.000 € allein bei den Wartungskosten.
Verschleißteile und Reparaturkosten
Trotz hoher Zuverlässigkeit können einzelne Komponenten im Laufe der Jahre ausfallen. Die folgenden Positionen sind die häufigsten Reparaturgründe mit ihren typischen Kosten.
Kompressor: Das Herzstück
Der Kompressor ist die teuerste Einzelkomponente. Ein Austausch inklusive Kältemittelbefüllung und Arbeitsstunden kostet 2.500–5.000 €. Bei korrekter Dimensionierung und regelmäßiger Wartung hält er 15–20 Jahre – häufig die gesamte Lebensdauer der Anlage. Ein Austausch kann die Betriebsdauer der Gesamtanlage um weitere 10–15 Jahre verlängern.
Steuerplatine und Elektronik
Elektronische Bauteile können durch Überspannungsereignisse, Alterung oder Feuchtigkeit ausfallen. Kosten für den Austausch: 500–1.500 €. Ein Überspannungsschutz im Zählerkasten (ca. 200 €) reduziert das Risiko erheblich. Die meisten Hersteller bieten Ersatzplatinen über einen Zeitraum von 15 Jahren an.
Expansionsventil
Das elektronische Expansionsventil (EEV) ist ein bewegliches Präzisionsbauteil mit einer typischen Standzeit von 10–15 Jahren. Der Austausch kostet 400–800 € und erfordert einen zertifizierten Kältetechniker, da der Kältekreislauf geöffnet werden muss.
Ventilator (nur Luft-Wärmepumpen)
Der Axialventilator im Außengerät läuft mehrere tausend Betriebsstunden pro Jahr. Lagerverschleiß äußert sich durch zunehmende Geräusche. Ein Austausch kostet 300–600 €. Regelmäßiges Reinigen der Lamellen reduziert die Belastung und verlängert die Standzeit auf 15+ Jahre.
Garantie und Gewährleistung: Was Hersteller bieten
Die gesetzliche Gewährleistung beträgt zwei Jahre und wird vom Installateur getragen. Darüber hinaus bieten die meisten Hersteller freiwillige Garantien mit unterschiedlichem Umfang.
- Gesetzliche Gewährleistung: 2 Jahre (Installateur/Händler) – gesetzlich vorgeschrieben
- Herstellergarantie Standard: 2–3 Jahre auf das Gerät (kostenlos bei Registrierung)
- Erweiterte Garantie: 5 Jahre bei den meisten namhaften Herstellern (Voraussetzung: Inbetriebnahme und Wartung durch zertifizierten Fachbetrieb)
- Premium-Garantie: Bis 10 Jahre möglich (z. B. Viessmann, Nibe, Stiebel Eltron), häufig kostenpflichtig (200–500 €)
Achten Sie auf die Garantiebedingungen im Detail: Viele erweiterte Garantien setzen eine jährliche Wartung durch einen vom Hersteller zertifizierten Betrieb voraus. Wird die Wartung versäumt oder nicht nachgewiesen, kann der Garantieanspruch verfallen.
Lebensdauer im Vergleich zu fossilen Heizungen
| Heizsystem | Typische Lebensdauer | Wartungsaufwand/Jahr | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Luft-Wasser-Wärmepumpe | 15–20 Jahre | 150–300 € | Kein Schornsteinfeger, kein Brennstofflager |
| Sole-Wasser-Wärmepumpe | 20–25 Jahre | 150–250 € | Erdsonden: 50–100 Jahre |
| Gas-Brennwerttherme | 15–20 Jahre | 250–350 € | Abhängig von Gas-Infrastruktur |
| Öl-Brennwertheizung | 15–20 Jahre | 300–450 € | Tankreinigung alle 5–7 Jahre |
| Pelletheizung | 15–20 Jahre | 300–500 € | Hoher Reinigungsaufwand |
Die Lebensdauer einer Wärmepumpe liegt auf dem Niveau konventioneller Heizungen – bei gleichzeitig niedrigeren Wartungskosten und ohne Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Sole-Wasser-Systeme übertreffen Gas und Öl sogar deutlich in der Nutzungsdauer.
Fünf Maßnahmen für maximale Lebensdauer
- Korrekte Dimensionierung auf Basis einer Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 – der wichtigste Einzelfaktor für Langlebigkeit. Überdimensionierung ist der häufigste Planungsfehler.
- Jährliche Wartung durch einen Fachbetrieb – kleine Probleme werden erkannt, bevor sie zu teuren Schäden führen. Viele Hersteller bieten Wartungsverträge mit bevorzugtem Störungsdienst.
- Vorlauftemperatur so niedrig wie möglich einstellen – jedes Grad weniger schont den Kompressor und verlängert seine Lebensdauer.
- Außengerät (bei Luft-WP) freihalten: 50 cm Abstand zu Wänden, kein Bewuchs, Laub und Schnee regelmäßig entfernen. Guter Luftstrom verhindert Effizienzeinbußen und übermäßige Abtauzyklen.
- Fehlermeldungen umgehend abklären lassen – eine ignorierte Warnung kann binnen Wochen zu einem Kompressorschaden führen, der tausende Euro kostet.
Fazit: Langlebige Technik mit überschaubarem Wartungsaufwand
Mit 15–25 Jahren Lebensdauer gehören Wärmepumpen zu den langlebigsten Heizsystemen auf dem Markt. Bei Erdwärmeanlagen überdauern die Sonden sogar mehrere Anlagengenerationen. Die jährlichen Wartungskosten von 150–300 € liegen unter denen fossiler Heizsysteme, und die wenigen Verschleißteile sind gut dokumentiert und verfügbar.
Die drei entscheidenden Faktoren für eine lange Nutzungsdauer sind: eine normgerechte Dimensionierung, die Takten verhindert, die Inverter-Technologie für gleichmäßigen Betrieb und eine konsequente jährliche Wartung. Wer diese Grundregeln befolgt, kann mit seiner Wärmepumpe 20 Jahre und länger zuverlässig heizen.

Geschrieben von
Stefan RiedelmannEnergieberater & Wärmepumpen-Experte • über 15 Jahre Erfahrung
Zertifizierter Energieberater mit über 15 Jahren Erfahrung in der Wärmepumpen-Branche. Spezialist für Bestandsgebäude und Fördermitteloptimierung.



