Wärmepumpen-Anschaffung: Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Kaufberatung9 min

Wärmepumpen-Anschaffung: Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Ihr Leitfaden für den Wärmepumpenkauf 2026: Systemvergleich, realistische Kostenübersicht und Fördermöglichkeiten bis 70%. So treffen Sie die richtige Entscheidung.

Stefan Riedelmann
Stefan Riedelmann
15. Januar 2026

Wer heute in eine neue Heizung investiert, steht vor einer weitreichenden Entscheidung. Die Wärmepumpe hat sich dabei als wirtschaftlichste und zukunftssicherste Lösung etabliert – nicht zuletzt dank staatlicher Zuschüsse von bis zu 70% der Investitionskosten. Gleichzeitig sorgen steigende Preise für fossile Brennstoffe und die CO₂-Abgabe dafür, dass sich der Umstieg immer schneller rechnet. Dieser Ratgeber verschafft Ihnen einen strukturierten Überblick über Systemtypen, Auswahlkriterien und Kosten, damit Sie eine fundierte Kaufentscheidung treffen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Luft-Wasser-Systeme decken rund 80% aller Einsatzfälle ab und kosten 15.000–27.500 € inklusive Montage
  • Erdwärmepumpen (Sole-Wasser) erzielen höhere Jahresarbeitszahlen (4,0–5,0), erfordern jedoch Bohrungen (20.000–42.500 €)
  • Durch die KfW-Förderung (Programm 458) sinkt der Eigenanteil häufig auf 5.000–12.000 €
  • Die Jahresarbeitszahl (JAZ) sollte bei mindestens 3,0 liegen – leistungsfähige Geräte erreichen 3,5–4,5
  • Geräte mit R290-Kältemittel und Inverter-Kompressor gelten als technologisch führend und sichern 5% Zusatzförderung
  • Ohne normgerechte Heizlastberechnung (DIN EN 12831) riskieren Sie eine Fehlauslegung der Anlage

Drei Systemtypen – welcher eignet sich für Ihr Gebäude?

Wärmepumpen unterscheiden sich grundlegend in der Energiequelle, die sie anzapfen. Je nach Grundstückssituation, Budget und gewünschter Effizienz kommen unterschiedliche Systeme in Frage.

Luft-Wasser-Wärmepumpe – der flexible Standard

Dieses System gewinnt thermische Energie aus der Außenluft und wandelt sie in Heizwärme um. Selbst bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt – moderne Geräte arbeiten zuverlässig bis –20 °C – bleibt die Versorgung gewährleistet. Die erreichbaren Jahresarbeitszahlen liegen zwischen 3,0 und 4,5.

Der wesentliche Vorteil gegenüber Erdwärmesystemen: Es sind keine Bohrungen oder Erdarbeiten erforderlich, was die Installationszeit verkürzt und die Kosten senkt. Komplett installiert bewegen sich die Preise zwischen 15.000 und 27.500 €. Im Gegenzug schwankt die Effizienz mit der Außentemperatur – an besonders kalten Tagen fällt der momentane Wirkungsgrad (COP) auf 2,5–3,0.

Sole-Wasser-Wärmepumpe – maximale Effizienz durch Erdwärme

Erdwärmepumpen nutzen die ganzjährig konstante Bodentemperatur von etwa 10 °C als Energiequelle. Diese Stabilität ermöglicht Jahresarbeitszahlen zwischen 4,0 und 5,0 – das bedeutet, aus einer Kilowattstunde Strom entstehen vier bis fünf Kilowattstunden Heizwärme.

Zwei Erschließungsvarianten stehen zur Wahl: Vertikale Erdsonden reichen bis zu 100 Meter tief und benötigen wenig Grundstücksfläche, sind aber mit Bohrkosten von 50–100 € pro Meter verbunden. Flächenkollektoren werden horizontal in 1–1,5 Meter Tiefe verlegt und erfordern eine Fläche von etwa dem 1,5- bis 3-Fachen der beheizten Wohnfläche.

Wasser-Wasser-Wärmepumpe – Spitzeneffizienz mit Grundwasser

Grundwasser liefert ganzjährig Temperaturen zwischen 8 und 12 °C und ermöglicht damit COP-Werte von 4,5 bis 5,5 – die höchsten aller Wärmepumpentypen. Allerdings ist diese Variante standortabhängig: Sie benötigen einen Förder- und einen Schluckbrunnen sowie eine wasserrechtliche Genehmigung. Die zusätzlichen Kosten für Brunnenbohrung und Genehmigungsverfahren liegen bei 5.500–15.000 €.

SystemtypInvestition (inkl. Montage)JAZBesonders geeignet für
Luft-Wasser15.000–27.500 €3,0–4,5Universell einsetzbar, schnelle Installation, kein Garteneingriff
Sole-Wasser (Sonde)20.000–42.500 €4,0–5,0Hoher Wärmebedarf, langfristig niedrigste Betriebskosten
Sole-Wasser (Kollektor)18.000–35.000 €4,0–4,8Große Grundstücke, kostengünstiger als Sondenbohrung
Wasser-Wasser19.500–43.000 €4,5–5,5Grundwasser verfügbar, maximale Effizienz gewünscht

Für die Mehrheit der Ein- und Zweifamilienhäuser stellt die Luft-Wasser-Wärmepumpe die wirtschaftlichste Lösung dar. Erdwärme wird vor allem dann interessant, wenn der jährliche Wärmebedarf 20.000 kWh übersteigt oder Sie die absolut niedrigsten Betriebskosten anstreben.

Entscheidende Kaufkriterien im Überblick

1. Korrekte Auslegung der Heizleistung

Die Dimensionierung ist der wichtigste Einzelfaktor für einen effizienten Betrieb. Ein überdimensioniertes Gerät schaltet sich häufig ein und aus (sogenanntes Takten), was den Verschleiß beschleunigt und die Effizienz mindert. Eine zu klein gewählte Anlage kann an kalten Tagen den Wärmebedarf nicht decken.

Grundlage jeder seriösen Planung ist eine normgerechte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Sie berücksichtigt Gebäudehülle, Fensterqualität, Dämmstandard und den Standortfaktor. Bei einem typischen Einfamilienhaus mit 150 m² liegt die resultierende Heizlast je nach Gebäudezustand zwischen 6 und 15 kW.

GebäudekategorieSpezifische HeizlastEmpfohlene Leistung
Neubau (KfW-55-Standard)40–55 W/m²6–8 kW
Modernisierter Altbau (ab 1990)50–70 W/m²8–10 kW
Teilsanierter Altbau (1970–1990)70–95 W/m²10–14 kW
Unsanierter Altbau (vor 1970)95–120 W/m²14–18 kW

Stiftung Warentest weist ausdrücklich darauf hin: Eine Überdimensionierung ist kontraproduktiv. Ein 12-kW-Gerät in einem Haus mit 8 kW Heizlast arbeitet nicht besser, sondern ineffizienter. Bestehen Sie bei jedem Angebot auf eine dokumentierte Heizlastberechnung.

2. Jahresarbeitszahl – der zentrale Effizienzindikator

Die JAZ gibt an, wie viel Heizwärme die Anlage im Jahresdurchschnitt pro eingesetzter Kilowattstunde Strom erzeugt. Ein Wert von 4,0 bedeutet: 75% der Wärmeenergie stammen aus der Umwelt, nur 25% aus dem Stromnetz. Für die KfW-Förderung ist eine JAZ von mindestens 3,0 vorgeschrieben.

Entscheidend für die reale JAZ ist die Vorlauftemperatur des Heizkreises. Mit jeder Erhöhung um 1 °C sinkt die Effizienz um 2–4%. Eine Fußbodenheizung mit 35 °C Vorlauf erzielt daher deutlich bessere Werte als konventionelle Heizkörper mit 55 °C. Aktuelle Fraunhofer-Feldstudien belegen durchschnittliche JAZ-Werte von 3,4 – selbst in Bestandsgebäuden.

3. Kältemittel – R290 als zukunftssichere Wahl

Das Kältemittel zirkuliert im geschlossenen Kreislauf der Wärmepumpe und bestimmt sowohl die Effizienz als auch die maximal erreichbare Vorlauftemperatur und die Umweltbilanz.

KältemittelTreibhauspotenzial (GWP)Max. VorlauftemperaturEinordnung
R290 (Propan)3bis 75 °CZukunftssicher, +5% Förderbonus, optimal für Bestandsgebäude
R32675bis 65 °CÜbergangslösung, wird mittelfristig abgelöst
R410A> 2.000bis 60 °CAuslaufend – nicht mehr empfehlenswert

R290 vereint minimales Treibhauspotenzial mit hohen Vorlauftemperaturen bis 75 °C und qualifiziert sich zusätzlich für den 5-%-Effizienzbonus der KfW. Da Propan leicht entflammbar ist, werden R290-Geräte konstruktionsbedingt überwiegend als Monoblock mit dem gesamten Kältekreislauf im Außengerät ausgeführt.

4. Inverter-Kompressor – Standard moderner Geräte

Invertergesteuerte Wärmepumpen passen die Kompressordrehzahl stufenlos an den aktuellen Heizbedarf an. Im häufig auftretenden Teillastbereich – also bei milden Außentemperaturen – arbeitet das Gerät mit gedrosselter Leistung und entsprechend höherer Effizienz. Zusätzliche Vorteile sind geringerer Verschleiß durch sanftes An- und Abfahren sowie ein niedrigerer Schallpegel im Normalbetrieb.

5. Schallpegel – oft unterschätzt

Direkt am Gerät messen Luft-Wärmepumpen 50–65 dB(A), in drei Metern Entfernung sinkt der Wert auf 40–45 dB(A). Das entspricht der Lautstärke eines laufenden Kühlschranks – kann aber nachts durchaus wahrnehmbar sein.

Seit 2026 fördert die KfW ausschließlich Luft-Wärmepumpen, deren Schallleistungspegel mindestens 10 dB unter dem EU-Grenzwert liegt. Bevorzugen Sie Geräte mit weniger als 50 dB(A) am Gerät und berücksichtigen Sie den Aufstellort bereits in der Planungsphase.

Realistische Gesamtkosten

Die Anschaffungskosten einer Wärmepumpe setzen sich aus dem Gerät, der Installation, gegebenenfalls Erdarbeiten und Nebenkosten zusammen. Eine Auswertung der Verbraucherzentrale RLP auf Basis von 160 realen Angeboten ergab eine Spanne von 20.000 bis 63.000 € mit einem Median von rund 36.300 €.

PositionLuft-WasserSole-Wasser (Erdsonde)
Gerät12.000–20.000 €12.000–20.000 €
Montage & Zubehör3.000–7.500 €3.500–7.500 €
Erschließungentfällt4.500–15.000 €
Hydraulischer Abgleich650–1.000 €650–1.000 €
Elektroanschluss500–1.500 €500–1.500 €
Summe brutto16.000–30.000 €21.000–45.000 €
Nach 70% Förderung4.800–9.000 €6.300–13.500 €

KfW-Förderung 2026: bis zu 70% Zuschuss

Das KfW-Programm 458 ermöglicht Zuschüsse von bis zu 70% der förderfähigen Kosten – bei einem Einfamilienhaus maximal 21.000 € (70% von 30.000 € Förderhöchstgrenze). Die Förderung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen:

  • 30% Grundförderung für alle selbstnutzenden Eigentümer
  • +20% Klimabonus bei Austausch einer funktionsfähigen Öl-, Gas- oder Kohleheizung
  • +30% Einkommensbonus bei einem Haushaltseinkommen unter 40.000 € pro Jahr
  • +5% Effizienzbonus für Geräte mit R290-Kältemittel oder Erdwärme-Wärmepumpen
  • Obergrenze: 70% (die Summe aller Boni wird gedeckelt)

Der Förderantrag muss zwingend VOR der Auftragsvergabe bei der KfW eingereicht werden. Vereinbaren Sie mit dem Installateur einen Vertrag unter aufschiebender Bedingung – dieser wird erst mit der Förderzusage wirksam. Nach Bewilligung stehen Ihnen 36 Monate für die Umsetzung zur Verfügung.

Ihre Checkliste für den Wärmepumpenkauf

  • Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 von einem Fachbetrieb erstellen lassen
  • Systemtyp festlegen: Luft-Wasser für den Regelfall, Sole-Wasser bei hohem Bedarf oder Wunsch nach maximaler Effizienz
  • JAZ-Werte vergleichen: mindestens 3,0, bevorzugt über 3,5
  • R290-Kältemittel bevorzugen – zukunftssicher und mit 5% Zusatzförderung
  • Inverter-Technologie als Mindestanforderung definieren
  • Schallpegel prüfen: unter 50 dB(A) am Gerät für die KfW-Förderung ab 2026
  • Mindestens drei vergleichbare Angebote einholen
  • Förderantrag vor der Auftragsvergabe stellen
  • Referenzprojekte des Installateurs besichtigen – die Montagequalität beeinflusst die Effizienz maßgeblich

Fazit: Systematisch zur passenden Wärmepumpe

Die Wärmepumpe ist keine Einheitslösung – aber nahezu jedes Wohngebäude lässt sich mit dem richtigen System effizient beheizen. Für die Mehrheit der Einfamilienhäuser empfiehlt sich eine aktuelle Luft-Wasser-Wärmepumpe mit R290-Kältemittel und Inverter-Kompressor. Diese Kombination bietet das ausgewogenste Verhältnis von Investition, Effizienz und Installationsaufwand.

Dank der Förderung von bis zu 70% reduziert sich der Eigenanteil auf 5.000–12.000 €. Bei jährlichen Einsparungen von 1.000–1.500 € gegenüber Gas oder Öl amortisiert sich die Investition innerhalb weniger Jahre – und Sie heizen für die kommenden zwei Jahrzehnte klimafreundlich und preisstabil.

Stefan Riedelmann

Geschrieben von

Stefan Riedelmann

Energieberater & Wärmepumpen-Experteüber 15 Jahre Erfahrung

Zertifizierter Energieberater mit über 15 Jahren Erfahrung in der Wärmepumpen-Branche. Spezialist für Bestandsgebäude und Fördermitteloptimierung.

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