In vielen Siedlungen stehen die Häuser dicht an dicht, Gärten sind klein, und ein Außengerät im Vorgarten ist weder erwünscht noch genehmigungsfähig. Die Lösung: eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die vollständig im Gebäudeinneren steht. Die Außenluft wird über Kanäle durch die Wand angesaugt und nach der Wärmeentnahme wieder abgeführt. Dieser Ratgeber erklärt, welche baulichen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, mit welchen Zusatzkosten Sie rechnen sollten und für welche Gebäudesituationen die Innenaufstellung die überlegene Variante ist.
Zentrale Fakten zur Innenaufstellung
- Stellfläche im Aufstellraum: mindestens 4–6 m², inklusive Wartungszugang
- Zwei Wanddurchbrüche für Zuluft und Fortluft erforderlich (je 40–60 cm Durchmesser)
- Mehrkosten gegenüber Außenaufstellung: 3.000–6.500 € (Kernbohrungen, Kanäle, Schallschutz)
- Schallimmission für Nachbarn nahezu eliminiert – ideal bei enger Bebauung
- Gerätegewicht 200–350 kg – die Tragfähigkeit des Bodens muss ausreichen
Funktionsprinzip: Wie die Luft ins Haus kommt
Bei einer konventionellen Monoblock-Aufstellung steht das gesamte Gerät im Freien und saugt die Umgebungsluft direkt über den Verdampfer an. Bei der Innenaufstellung befindet sich das identische Gerät im Keller oder Technikraum. Zwei Luftkanäle stellen die Verbindung zur Außenluft her: Ein Zuluftkanal führt frische Außenluft zum Verdampfer, ein Fortluftkanal leitet die abgekühlte Luft zurück ins Freie.
Entscheidend für die Funktion ist die räumliche Trennung von Zuluft- und Fortluftöffnung. Die Abluft der Wärmepumpe ist um 3–5 °C kälter als die angesaugte Außenluft. Liegen beide Öffnungen zu nah beieinander, saugt das Gerät die eigene kalte Abluft an – ein sogenannter Kurzschluss, der die Effizienz massiv verschlechtert. Empfohlen werden mindestens 2,5 Meter Abstand, idealerweise an unterschiedlichen Fassaden.
Bauliche Voraussetzungen im Detail
Raumgröße und Grundfläche
Die Wärmepumpe selbst beansprucht eine Grundfläche von etwa 1,5–2,5 m². Hinzu kommt Raum für Pufferspeicher, Verrohrung und Wartungszugang – insgesamt sollten mindestens 4 m², besser 6 m² zur Verfügung stehen. Die Raumhöhe muss mindestens 2,10 m betragen, da die Kanaldurchführungen über oder neben dem Gerät verlaufen.
Geeignete Räume sind Kellerräume, Hauswirtschaftsräume oder ehemalige Heizöl-Lagerräume. Letztere bieten nach der Tankentsorgung oft die ideale Grundfläche und verfügen bereits über einen Bodenablauf.
Wanddurchbrüche und Kanalführung
Für Zu- und Abluft werden zwei Kernbohrungen durch die Außenwand benötigt. Der übliche Durchmesser beträgt 40–60 cm, abhängig von der Luftleistung des Geräts. Die Bohrungen können rund oder rechteckig ausgeführt werden. An der Außenseite werden Wetterschutzgitter oder Schalldämpfer-Hauben montiert.
Die Kanäle selbst bestehen aus verzinktem Stahlblech oder Kunststoff und sollten innen mit schalldämmendem Material ausgekleidet sein. Jeder Meter Kanallänge und jeder Bogen erzeugt Druckverluste, die die Luftleistung reduzieren – kurze, gerade Kanalführungen sind daher immer vorzuziehen.
Kondenswasserableitung
Beim Abkühlen der Luft im Verdampfer fällt Kondenswasser an – an kalten Tagen durchaus mehrere Liter pro Tag. Ein Bodenablauf im Aufstellraum oder eine Kondensatpumpe ist daher erforderlich. In vielen Kellern existiert bereits ein Ablauf; ansonsten muss eine Hebeanlage oder ein Pumpensystem nachgerüstet werden (ca. 200–400 €).
Statik und Erschütterungsschutz
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe bringt 200–350 kg auf die Waage. In Kellerräumen mit Betonboden ist das kein Problem. Bei Aufstellung im Erdgeschoss (Hauswirtschaftsraum über Holzbalkendecke) sollte ein Statiker die Tragfähigkeit prüfen. Unabhängig vom Standort empfiehlt sich eine schwingungsentkoppelte Aufstellung auf Gummipuffern oder einem Betonsockel, um Körperschallübertragung ins Gebäude zu minimieren.
Vor- und Nachteile der Innenaufstellung
| Aspekt | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Nachbarschutz | Schallimmission nach außen nahezu eliminiert | Betriebsgeräusch im Aufstellraum (48–57 dB) |
| Optik | Kein sichtbares Außengerät, Garten unberührt | Raumverlust im Gebäudeinneren |
| Witterungsschutz | Gerät vor Frost, Regen und UV geschützt | – |
| Installation | Keine Fundamentarbeiten im Garten | Kernbohrungen und Kanalführung erforderlich |
| Grenzabstände | Entfallen vollständig | – |
| Kosten | – | 3.000–6.500 € Mehrkosten |
| Effizienz | – | Minimale Druckverluste durch Kanalführung (1–3 %) |
Kostenaufstellung: Außen- versus Innenaufstellung
| Position | Außenaufstellung | Innenaufstellung |
|---|---|---|
| Wärmepumpe + Basisinstallation | 15.000–25.000 € | 15.000–25.000 € |
| Fundament / Wandkonsole | 500–1.200 € | entfällt |
| Kernbohrungen (2×) | entfällt | 800–1.500 € |
| Luftkanäle + Wetterschutzgitter | entfällt | 1.500–3.000 € |
| Schallschutzmaßnahmen | 300–800 € | 800–2.000 € |
| Kondensatableitung | entfällt | 200–400 € |
| Gesamtkosten typisch | 16.000–27.000 € | 18.500–32.000 € |
| Mehrinvestition | – | 3.000–6.500 € |
Die Mehrinvestition von 15–25 % amortisiert sich nicht über geringere Betriebskosten – die Effizienz ist bei beiden Varianten nahezu identisch. Die Innenaufstellung lohnt sich vielmehr, wenn die Außenvariante nicht realisierbar ist (fehlender Stellplatz, Grenzabstände) oder wenn der Schallschutz gegenüber Nachbarn höchste Priorität hat.
Schallschutz: Worauf es ankommt
Der Kompressor erzeugt im Aufstellraum einen Schallpegel von 48–57 dB(A) – vergleichbar mit einer leisen Unterhaltung. Im Kellerraum stört das nicht; kritisch wird es, wenn Schall über Wände, Decken oder Kanäle in Wohnräume dringt.
Drei Maßnahmen sind entscheidend: Erstens die schwingungsentkoppelte Aufstellung auf Elastomerlagern, die Körperschall vom Gebäude abkoppelt. Zweitens eine massive oder schalldämmend verkleidete Tür zum Aufstellraum, um Luftschall zu blockieren. Drittens Schalldämpfer in den Luftkanälen, die das Betriebsgeräusch daran hindern, über die Kanalöffnungen nach außen oder in angrenzende Räume zu gelangen.
Platzieren Sie den Aufstellraum möglichst nicht direkt unter Schlaf- oder Wohnräumen. Ideal sind Kellerräume an der Gebäudeaußenseite – die Wanddurchbrüche bleiben kurz, und die Schallübertragung in bewohnte Bereiche ist minimal.
Alternative: Das Split-System
Wenn der Platz für eine vollständige Innenaufstellung nicht ausreicht, bietet die Split-Lösung einen Kompromiss. Hier wird die Wärmepumpe in zwei Einheiten aufgeteilt: Das Außengerät enthält den Verdampfer und (je nach Bauart) den Kompressor, das Innengerät den Kondensator und die Hydraulik.
Der Platzbedarf innen reduziert sich auf 1–2 m². Das Außengerät ist kleiner und leiser als ein Monoblock, da weniger Komponenten untergebracht werden müssen. Die Verbindung zwischen Innen- und Außeneinheit erfolgt über Kältemittelleitungen – deren Installation erfordert eine Zertifizierung nach der F-Gase-Verordnung.
Beim Einsatz von R290-Kältemittel entfällt die Split-Option häufig: Da R290 leicht brennbar ist, werden die meisten R290-Geräte als Monoblock konzipiert, bei dem der gesamte Kältekreislauf im Außen- oder Innengerät verbleibt. Split-Systeme arbeiten daher überwiegend mit R32 oder R410A.
Für welche Gebäude eignet sich die Innenaufstellung?
- Reihenhäuser und Doppelhaushälften mit kleinen Gärten und nahen Nachbargrenzen
- Stadthäuser ohne geeigneten Außenstellplatz oder mit Vorgartensatzung
- Denkmalgeschützte Gebäude, bei denen ein Außengerät optisch unzulässig ist
- Häuser mit ungenutztem Kellerraum (ehemaliger Öltankraum ist ideal)
- Eigentümer, die aus ästhetischen Gründen kein Gerät im Außenbereich wünschen
Prüfen Sie vor der Entscheidung: Ist der vorgesehene Raum ausreichend belüftet? Sind die Außenwände für Kernbohrungen geeignet (keine tragenden Elemente im Bohrbereich)? Ist ein Kondensatablauf vorhanden oder nachrüstbar? Ein Ortstermin mit dem Fachbetrieb klärt diese Fragen in der Regel innerhalb einer Stunde.
Fazit: Mehr Aufwand, mehr Flexibilität
Die Innenaufstellung einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ist technisch ausgereift und in vielen Gebäudesituationen die beste Lösung. Sie eliminiert Geräuschbelästigung für Nachbarn, spart Platz im Garten und schützt das Gerät vor Witterungseinflüssen. Die Mehrinvestition von 3.000–6.500 € ist der Preis für diese Vorteile.
Für die Mehrzahl freistehender Einfamilienhäuser bleibt die Außenaufstellung die wirtschaftlichere Wahl. Doch bei Reihenhäusern, enger Bebauung oder ästhetischen Anforderungen bietet die Innenvariante eine vollwertige Alternative – ohne Kompromisse bei Leistung oder Effizienz.

Geschrieben von
Stefan RiedelmannEnergieberater & Wärmepumpen-Experte • über 15 Jahre Erfahrung
Zertifizierter Energieberater mit über 15 Jahren Erfahrung in der Wärmepumpen-Branche. Spezialist für Bestandsgebäude und Fördermitteloptimierung.



