Die Ölheizung gehört zu den Auslaufmodellen im Heizungsmarkt. Steigende Brennstoffkosten, die wachsende CO₂-Abgabe und die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes machen einen Systemwechsel wirtschaftlich immer attraktiver. Besonderer Anreiz: Wer eine noch funktionsfähige Ölheizung stilllegt, erhält den Klimabonus von 20% zusätzlich zur Grundförderung – in Summe sind bis zu 70% Zuschuss möglich. Dieser Ratgeber führt Sie durch den gesamten Prozess: von der Kostenplanung über den Förderantrag bis zur fertigen Installation.
Die wichtigsten Fakten
- Ölheizungs-Austausch qualifiziert für 20% Klimabonus – zusammen mit Grundförderung bis zu 70% Zuschuss
- Gesamtinvestition: 18.000–44.000 € brutto, nach maximaler Förderung oft nur 5.400–13.200 € Eigenanteil
- Öltank-Entsorgung: 500–2.000 € je nach Tankgröße und Zugänglichkeit
- Betriebskostenersparnis: 1.000–1.500 € pro Jahr gegenüber Öl – Amortisation in 5–8 Jahren
- Der Förderantrag muss zwingend VOR der Auftragsvergabe bei der KfW eingereicht werden
Drei Gründe, warum der Wechsel jetzt besonders lohnend ist
1. Maximale Fördersumme dank Klimabonus
Der Austausch einer funktionsfähigen Ölheizung berechtigt zum Klimabonus von 20%. Addiert zur 30%-Grundförderung ergibt das bereits 50%. Mit dem Einkommensbonus (bei Haushaltseinkommen unter 40.000 €/Jahr) und dem Effizienzbonus für R290-Kältemittel sind insgesamt bis zu 70% Zuschuss erreichbar.
Konkretes Rechenbeispiel: Bei förderfähigen Kosten von 30.000 € beträgt der Zuschuss 21.000 €. Es verbleiben 9.000 € Eigenanteil für eine komplett neue, klimafreundliche Heizung mit einer Lebensdauer von über 20 Jahren.
2. Wachsende CO₂-Kostenbelastung
Der nationale CO₂-Preis beträgt 2025 bereits 55 €/Tonne und steigt 2026 auf 55–65 €/Tonne. Für jeden Liter Heizöl fallen dadurch rund 17 Cent Zusatzkosten an. Bei einem Jahresverbrauch von 2.000 Litern summiert sich das auf über 340 € – Tendenz steigend. Die Wärmepumpe ist von dieser Abgabe vollständig befreit.
3. Rechtliche Rahmenbedingungen durch das GEG
Das Gebäudeenergiegesetz schreibt vor, dass neu installierte Heizungen zu mindestens 65% erneuerbare Energien nutzen müssen (mit Übergangsfristen). Bei einem irreparablen Defekt der bestehenden Ölheizung muss der Ersatz diese Anforderung erfüllen – der Einbau einer neuen Ölheizung ist dann faktisch ausgeschlossen.
Wer jetzt vorausschauend handelt, profitiert von maximaler Förderung und kann den Wechsel in Ruhe planen. Wer abwartet, bis die Ölheizung im Winter ausfällt, steht unter Zeitdruck und muss möglicherweise Kompromisse eingehen.
Detaillierte Kostenaufstellung
| Position | Kostenrahmen | Anmerkung |
|---|---|---|
| Wärmepumpe (Gerät) | 12.000–20.000 € | Luft-Wasser, leistungsabhängig |
| Installation & Zubehör | 3.000–7.500 € | Verrohrung, Pufferspeicher, Elektrik |
| Demontage Ölheizung | 500–1.500 € | Kessel, Brenner, Regelung |
| Öltank-Entsorgung | 500–2.000 € | Größe und Zugänglichkeit bestimmen den Preis |
| Tankreinigung (Restöl) | 200–500 € | Falls noch Heizöl im Tank |
| Hydraulischer Abgleich | 650–1.000 € | Fördervoraussetzung |
| Drehstrom-Anschluss | 500–1.500 € | Falls noch nicht vorhanden |
| Ggf. Heizkörpertausch | 1.000–3.000 € | Nur wenn erforderlich |
| Gesamtinvestition brutto | 18.000–44.000 € | Typisch: 25.000–35.000 € |
| Eigenanteil nach 70% Förderung | 5.400–13.200 € |
Öltank-Entsorgung: Was Sie wissen müssen
Die Entsorgung des Heizöltanks ist ein separater Posten. Stahltanks im Keller (1.000–3.000 Liter) kosten in der Entsorgung 500–1.000 €. Größere Tanks oder schwer zugängliche Erdtanks können mit 1.500–2.500 € zu Buche schlagen.
Voraussetzung: Ein zertifizierter Fachbetrieb muss den Tank entleeren, reinigen und fachgerecht entsorgen. Sie erhalten einen Entsorgungsnachweis, den Sie für die Förderabwicklung benötigen (Beleg der Heizungsstilllegung).
Verbrauchen Sie vor dem Wechsel möglichst viel Restöl – je weniger im Tank verbleibt, desto günstiger fällt die Reinigung aus. Planen Sie den Zeitpunkt aber so, dass die Heizung bis zur Umstellung ausreichend versorgt ist.
Schritt für Schritt zum Heizungswechsel
Phase 1: Beratung und Angebotsvergleich (2–4 Wochen)
Lassen Sie sich von mehreren Fachbetrieben beraten. Ein seriöser Anbieter führt eine Heizlastberechnung durch und begutachtet die örtlichen Gegebenheiten: Aufstellmöglichkeiten, Stromanschluss, vorhandene Heizkörper. Holen Sie mindestens drei vergleichbare Angebote ein und bewerten Sie neben dem Preis auch Leistungsumfang und Referenzen.
Phase 2: Förderantrag bei der KfW (vor Auftragsvergabe!)
Dieser Schritt ist zwingend: Der Förderantrag muss vor der Auftragsvergabe eingereicht werden. Sie benötigen ein konkretes Angebot und die Bestätigung zum Antrag (BzA) des Fachbetriebs. Der Antrag wird über das KfW-Kundenportal gestellt.
Empfehlenswert ist ein Vertrag mit aufschiebender Bedingung: Er wird erst mit der Förderzusage wirksam. So sichern Sie sich den Installationstermin, ohne das Risiko einer Ablehnung zu tragen.
Phase 3: Bewilligung abwarten (4–8 Wochen)
Die KfW prüft den Antrag und erteilt bei positivem Bescheid die Zusage. Die Bearbeitungszeit beträgt derzeit 4–8 Wochen. Nach Bewilligung haben Sie 36 Monate Zeit für die Projektumsetzung.
Phase 4: Installation der Wärmepumpe (2–5 Tage)
Die eigentliche Montage geht zügig: 2–3 Tage für ein Luft-Wasser-System, bei Erdwärme zuzüglich Bohrzeit. Die alte Ölheizung wird demontiert, die Wärmepumpe installiert, das Heizsystem befüllt und eingestellt. Der hydraulische Abgleich erfolgt in der Regel unmittelbar im Anschluss.
Phase 5: Öltank entsorgen
Die Tankentsorgung kann parallel zur Installation oder kurz danach erfolgen. Der Fachbetrieb entleert, reinigt und entsorgt den Tank und stellt den erforderlichen Entsorgungsnachweis aus.
Phase 6: Förderung abrufen
Nach Fertigstellung aller Arbeiten reichen Sie die Rechnungen und Nachweise bei der KfW ein. Die Auszahlung erfolgt in der Regel innerhalb von 4–6 Wochen auf Ihr Konto.
Wirtschaftlichkeitsrechnung am Beispiel
Modellfall: Einfamilienhaus Baujahr 1985, 150 m² Wohnfläche, bisheriger Verbrauch 2.000 Liter Heizöl pro Jahr. Die 25 Jahre alte Ölheizung funktioniert noch, der nächste Defekt ist jedoch absehbar.
| Kennwert | Ölheizung (bisher) | Wärmepumpe (neu) |
|---|---|---|
| Energieverbrauch | 2.000 Liter Heizöl | 5.000 kWh Strom |
| Energiekosten | 2.400 € (1,20 €/L) | 1.350 € (0,27 €/kWh) |
| CO₂-Abgabe | 400 € | 0 € |
| Wartung/Schornsteinfeger | 300 € | 200 € |
| Jahreskosten gesamt | 3.100 € | 1.550 € |
| Jährliche Ersparnis | – | 1.550 € |
Investitionssumme: 30.000 € brutto. Bei 70% Förderung (30% Grundförderung + 20% Klimabonus + 5% Effizienzbonus + 15% Einkommensbonus) verbleiben 9.000 € Eigenanteil. Bei 1.550 € jährlicher Ersparnis ist die Anlage nach knapp 6 Jahren amortisiert. In den verbleibenden 15+ Jahren Nutzungsdauer summiert sich der Kostenvorteil auf über 20.000 €.
Häufige Fragen bei der Umrüstung
Können die vorhandenen Heizkörper weiter genutzt werden?
In der Mehrzahl der Fälle ja. Hochtemperatur-Wärmepumpen der aktuellen Generation liefern bis zu 75 °C Vorlauftemperatur – ausreichend für nahezu alle Bestandsradiatoren. Eventuell müssen einzelne unterdimensionierte Heizkörper getauscht werden. Der hydraulische Abgleich optimiert das Gesamtsystem zusätzlich.
Was geschieht mit dem Schornstein?
Der Schornstein wird nach dem Heizungstausch nicht mehr benötigt. Sie können ihn stilllegen oder anderweitig nutzen (etwa als Kabelschacht). Die Stilllegung muss vom Schornsteinfeger bestätigt werden. Im Gegenzug entfallen die jährlichen Kehrgebühren von rund 100 €.
Ist die Umrüstung auch im Winter durchführbar?
Grundsätzlich ja, allerdings mit Einschränkungen beim Komfort. Die Heizung muss für 2–5 Tage abgeschaltet werden – im Winter bedeutet das, dass die Räume auskühlen. Günstiger ist der Heizungswechsel in der Übergangszeit (Frühling oder Herbst), wenn der Heizbedarf gering ist.
Fazit: Der optimale Zeitpunkt ist jetzt
Maximale Förderung bis 70%, steigende Ölpreise und wachsende CO₂-Kosten machen 2026 zum wirtschaftlich attraktivsten Zeitpunkt für den Abschied von der Ölheizung. Wer jetzt handelt, sichert sich den Klimabonus und kann den Wechsel ohne Zeitdruck planen – statt im Notfall bei einem Heizungsausfall unter Stress entscheiden zu müssen.
Bei einem Eigenanteil von häufig nur 5.000–12.000 € und jährlichen Einsparungen von 1.000–1.500 € rechnet sich die Investition in wenigen Jahren. Gleichzeitig befreien Sie sich von der Abhängigkeit schwankender Ölpreise und heizen klimaneutral vor Ort. Die Frage lautet nicht ob, sondern wann – und die Antwort ist: jetzt.

Geschrieben von
Stefan RiedelmannEnergieberater & Wärmepumpen-Experte • über 15 Jahre Erfahrung
Zertifizierter Energieberater mit über 15 Jahren Erfahrung in der Wärmepumpen-Branche. Spezialist für Bestandsgebäude und Fördermitteloptimierung.



